Ausstellungstip: Fast Fashion im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe

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Während verschiedener Fashion Weeks sehen wir viele schöne Kleider, wir Blogger, Journalisten und Prominente tragen und verbreiten Ihre besten Outfits zu den Shows. Auf dem Laufteg ist  eine schöne tragbare Mode zu sehen.

Aber kennt Ihr den Weg vom Laufsteg bis zum Laden? Wo wird von so verehrte Mode produziert, von Wem, unter welchen Bedingungen? Genau mit diesen Fragen beschäftigt sich die Ausstellung „Fast Fashion „.

Bilder von Näherinnen am Rande der Erschöpfung, eingestürzte Fabrikhallen, hunderte Tote: Schattenseiten der Mode. Fast Fashion Austellung hilft uns einen kritische Blick hinter die Kulissen der Textilwirtschaft zu werfen.

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Der Begriff Fast Fashion steht für ein spezifisches Produktions- und Vertriebssystem für massenproduzierte Modewaren, die häufig von High End-Entwürfen kopiert und weltweit zu Niedrigpreisen verkauft werden. Fast Fashion bedeutet auch Beschleunigung: für die Globalisierung des modischen Mainstreams, für Produktion und Handel (möglich ist ein Zeitraum von zwei Wochen vom Entwurf bis zur Auslieferung des Produkts), für den Gebrauch und Verschleiß von Kleidung. In der Hierarchie der Mode ist die Fast Fashion am unteren Ende angesiedelt, nach der Haute Couture, der Prèt-a-Porter Mode und der Konfektionsware im mittleren Preissegment. Die Fast Fashion hat außerdem einen neuen Typus des schnellen Modekonsumenten hervorgebracht. Sie ist zu einem ökonomischen Erfolgsmodell geworden. Die steigenden wirtschaftlichen Profite gehen jedoch zu Lasten der ökologischen und sozialen Systeme. Die Fast Fashion- Industrie besitzt eine denkbar schlechte Umweltbilanz und gehört zu den Branchen mit teilweise katastrophalen Arbeitsbedingungen und Löhnen unterhalb des Existenzminimums.

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In sieben Stationen erhält der Besucher vertiefende Einblicke in das Thema:

Der Laufsteg ist mit dem Konsumthema Fashion & Victims assoziiert. Der Begriff Fashion Victims bezeichnet die beiden Seiten des Modekonsums: hier die Verbraucher der Überflussgesellschaft, dort die wirklichen Opfer am anderen Ende der Produktionskette.

Ein eigens für die Ausstellung produzierter Film zu den glamourösen und problematischen Seiten der Modeindustrie und Bekleidungsproduktion stimmt die Besucher ein.

Der zweite Schwerpunkt zum Thema Konsum lautet Mangel & Überfluss. Auf eine Hohlkehle, wie sie auch für Modefoto- grafien verwendet wird, ist der Film Unravel der indischen Filmemacherin Meghna Gupta zu sehen.

Auf einer Litfass-Säule können sich die Besucher etwa über die Zusammenhänge Global & Lokal in der Bekleidungs- ökonomie informieren. Der gesamte Produktionsprozess in der Bekleidungsindustrie vom Rohstofflieferanten bis zum Endverbraucher ist eine der komplexesten in der globalen Wirtschaft.

Eine eigens für die Ausstellung entwickelte Installation mit Kleider-Etiketten führt zugleich die wichtigsten Produktionsländer für Bekleidung vor Augen. Die deutsche Fotokünstlerin Susanne Friedel beleuchtet in ihrer Arbeit Beyond Fashion, die die Werbe-Ästhetik bekannter Fast Fashion Brands zitiert, die prekäre Lohnsituation der Textilarbeiter in Asien und Osteuropa.

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Das Thema Ökonomie findet unter dem Titel Lohn & Gewinn auf Schaufenstern seine Fortsetzung mit einer weiteren Arbeit von Taslima Akhter sowie einem Filmzusammenschnitt über die Situation der Textilarbeiter in der Türkei, in Bulgarien und Marokko. Schockierend ist die Diskrepanz zwischen Mindestlohn und Existenzlohn. Infografiken verdeut- lichen, dass der Mindestlohn sowohl in den asiatischen Produktionsländern als auch in Osteuropa weit unter dem Existenzlohn liegt.

Der dritte große Themenkomplex Ökologie verweist auf einen Zusammenhang, der selten mit der Bekleidungsindustrie in Verbindung gebracht wird: Chemikalien & ökologischer Fußabdruck. Nahezu jedes Kleidungsstück ist heute veredelt oder behandelt und daher mit Chemie behaftet. An einer Kleiderstange in der Ausstellung hängen verschiedene Kleidungsstücke mit ihrem jeweiligen chemischen Steckbrief. Verschiedene Filme informieren über das schädliche Sandstrahlen von Jeans für den beliebten Used Look, über die gefährlichen PFC (Per-und polyfluorierte Chemikalien) sowie über den lebensgefährlichen Einsatz von Pestiziden, der nicht selten tödlich für die Arbeiter endet. Entlang der textilen Produktionskette werden insgesamt bis zu 7.000 Chemikalien eingesetzt.

Im zweiten Teil der Ausstellung Fast Fashion gelangen die Besucher in das Slow Fashion-Labor. Hier finden sie zahl- reiche Informationen über alternative Materialien aus Brennnessel, Lachshaut, Seealgen oder Milchfasern, über umwelt- schonenden Technologien wie dem Bleichen von Jeans mit Ozon und Lasertechnik oder über das Gerben von Leder mit Rhabarber und Oliven. Filme von der Ethical Fashion Show in Berlin zeigen, dass nachhaltige Mode ebenso attraktiv und schick wie konventionelle Mode sein kann. Weiter stellt diese Station relevante Textilsiegel sowie verschiedene Organisationen vor, wie die Clean Clothes Campaign, die Fair Wear Foundation oder Greenpeace, die auf Missstände in der Bekleidungsproduktion aufmerksam machen und sich für mehr Transparenz und die Einhaltung verschiedener Umwelt- und Sozialstandards, wie etwa die Asia Floor Wage einsetzen. Ergänzt wird das Material durch drei aktuelle Masterprojekte aus dem Studiengang Sustainability in Fashion der Esmod Berlin Internationale Kunsthochschule für Mode sowie Rechercheergebnissen zum Thema „Wie viel Kleidung braucht der Mensch?“ aus dem Seminar Backstage Mode an der HafenCity University Hamburg.

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Aber die tausenden wissenschaftlichen Wörter und die beste Beschreibung wundert nicht so stark, wie das Betrachten der Ausstellung selbst. Alle Videos und Bilder der Schneiderinnen und Näherinnen aus Asien und Osteuropa machen Augen auf, was unsere Mode und die Top Looks kosten. Die Markenunternehmen erziehen so große Gewinne, sie sind aber leider nicht in der Lage wenigstens dafür sorgen, dass die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Ich verstehe, dass sie keinen Einfluss auf die Wirtschaftssituation in diesen Ländern haben, aber sie können doch wenigstens dafür sorgen, dass auf ihren eigenen Fabriken vernünftige Arbeitsklima herrscht.  Oder?

Ausstellung: Fast Fashion

Ausstellungsort:

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg 

Dauer: 20. März bis 20. September 2015

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